Ein kapitalistisches Wirtschaftssystem beruht auf Wachstum, das heißt konkret auf einer Wertsteigerung innerhalb der Produktionskette – diese Wertschöpfung kann aber nicht aus dem Nichts geschehen. Anhand der Theorien von Marx und Engels untersuchen wir, wie und wo in der kapitalistischen Produktionsweise Wert neu geschaffen wird und welche alternativen Systeme es zum Kapitalismus gibt.
„Im Kapitalismus wird der Mehrwert durch den Anteil der unbezahlten Arbeit geleistet. Höchstens zwei Stunden geht ein Arbeiter für seinen Lohn arbeiten. Den Rest eignen sich die Eigentümer an!“ Als ich neulich diese Sätze über die Arbeitsbedingungen in der Stahlindustrie in einer, zugegebenermaßen sehr kapitalismuskritischen Zeitschrift las, war ich gleichermaßen erstaunt und skeptisch. Mir ist schon klar, dass unser wirtschaftliches System auf Wachstum beruht, dass Wachstum sogar notwendig für unsere Wirtschaft ist. Und irgendwie bin ich mir auch der Bedeutung dessen für die Arbeit bewusst: innerhalb der Produktionskette muss es eine Wertsteigerung geben, und das am ehesten bei den schwächsten Gliedern. Dementsprechend las ich die Aussage so: Ein Arbeiter, der etwa 8 Stunden am Tag arbeitet, schafft damit einen Wert, der dem vierfachen seines Lohnes entspricht; der unbezahlte Teil geht als Gewinn an die Unternehmer.
Doch wie genau funktioniert dieser Prozess mit Wertschöpfung und Warentausch? Zum Glück gibt es zwei, die das alles gründlich durchgedacht haben: Karl Marx und Friedrich Engels. In ihrem dreibändigen Meister- (oder Teufels-) Werk „Das Kapital“ erklären sie ausführlich, wie im Kapitalismus Mehrwert geschaffen und wie dieser auf dem Markt durch den Tausch mit anderen Waren realisiert wird.
In dieser Lesegruppe wollen wir durch Sekundärliteratur („Das Kapital“ ist nicht nur umfangreich, sondern auch entsprechend anspruchsvoll) einen ersten Einblick in die Theorien von Marx und Engels erhalten und verstehen, worauf unser ökonomisches System basiert. Welche Auswirkungen ergeben sich dadurch auch auf Politik und Gesellschaft? Es soll dabei weder ein Marxistischer Kreis werden, der auf den Kapitalismus schimpft und China lobt; noch wollen wir Marx‘ Theorien als absurd und lächerlich abtun. Offen und mit einem interessiert-kritischen Blick wollen wir uns der herausfordernden Aufgabe annehmen, Marx‘ Lebenswerk zu verstehen, mit dem Ziel, den eigenen Horizont zu erweitern und so manches über unsere moderne Gesellschaft zu lernen.
Als Lektüre bietet sich „Das Kapital – kompakt“ von Georg Fülberth an: eine klassische, kurze und einfache Einführung in „Das Kapital“. Um die aktuellen politischen und gesellschaftlichen
Implikationen von Marx‘ Theorie zu verstehen, lesen wir als zweites Buch „Marx neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die Kritik der Politischen Ökonomie“ von Elmar Altvater. Eine Diskussion mit eingeladenen Experten aus Politik und Gewerkschaften vertieft den Austausch innerhalb der Gruppe und gibt Einblicke auch in einen modernen Umgang mit dem Kommunismus geben.
Bibliografie:
Georg Fülberth: «Das Kapital» – kompakt, Köln 2016
Elmar Altvater: Marx neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die
Kritik der Politischen Ökonomie, Hamburg 2012
Ort: Je nach Größe und Interesse der Gruppe bietet sich ein Seminarraum an der Uni (ETH Zürich) oder ein Café mit informellerer Atmosphäre an.
Format: In dieser Lesegruppe werden wir abschnittsweise die vorgeschlagenen Bücher besprechen. Dabei versuchen wir, mit Expert:innen aus Politik und Gewerkschaften – etwa von der Sozialdemokratischen Partei oder der Partei der Arbeit (PdA) – in Kontakt zu treten, um sie als mögliche Diskussionsteilnehmer:innen einzuladen.
Zeitplan: Geplant sind Treffen im zwei-Wochen Rhythmus, beginnend Ende September.
Arbeitssprache(n): Deutsch
Leitung: Marianne Tafreschi & Reto Zimmermann
Organisation: Matteo Titus
Administration: Michelle Hug
Anzahl TN: Maximum 10
Zielpublikum: Studierenden aller Studienrichtungen
Vorbereitungsarbeiten / Unterlagen: Sieh dir die Leseliste an und prüfe die Hinweise des Veranstalters, nachdem du eine Anmeldebestätigung erhalten hast.
Anmeldefrist: 15. August 2025
